M 1: Grundlagen der Ethik

Frühjahrssemester 2021

Modulverantwortung: Prof. Dr. Christoph Halbig, Prof. Dr. Peter Schaber

ECTS-Punkte: 5

Themen u. a.:
Was ist Ethik? Fragestellungen und Arbeitsgebiete der allgemeinen und angewandten Ethik; Moral, Recht und Religion. Was sind normative Theorien? Utilitarismus; Deontologie; Kantianismus; Vertragstheorie; Tugendethik; Gerechtigkeitstheorie.
Dozierende:
Dr. Holger Baumann, Prof. Dr. Christoph Halbig, Dr. Sebastian Muders, Prof. Dr. Peter Schaber u. a.
Termine: 26./27.2., 5./6.3., 12./13.3., 19./20.3.2021

Ethische Fragen sind notorische Streitfragen. So wenig sich über den Geschmack streiten lässt, so kontrovers und andauernd gestaltet sich in pluralistischen Gesellschaften die Debatte um das, was moralisch richtig und falsch ist. Manche bezweifeln, dass sich der Streit letztlich überhaupt entscheiden lässt. Unzweifelhaft ist jedoch, dass eine Vermittlung zwischen den kontroversen Positionen nur möglich ist, wenn es den Beteiligten gelingt, ihre Ansichten verständlich darzustellen und durch Argumente zu stützen. Das ist nicht immer leicht und setzt neben der Bereitschaft zur Auseinandersetzung und der Offenheit gegenüber Kritik an der eigenen Position eine ganze Reihe besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten voraus.

Zuallererst gilt es zu klären, worüber genau gestritten wird und was moralische Probleme von rechtlichen, empirischen, technischen und politischen Fragen unterscheidet. Um diese Probleme danach in möglichst präzise Fragen zu übersetzen, muss man zudem über das entsprechende Vokabular, die Grundbegriffe der Ethik, verfügen. Diese Begriffe haben meist eine lange Geschichte und ihre volle, oft sehr reiche und vielfältige Bedeutung erschliesst sich erst im Zusammenhang der Kenntnis der grundlegenden ethischen Theorien. Das gilt auch für die unterschiedlichen Positionen, die mit Blick auf die moralischen Streitfragen vertreten werden. Die wenigsten davon sind neu. Ethische Reflexion steht vielmehr in einem kulturhistorischen Kontext, den es zu verstehen gilt. Hierfür ist es unerlässlich, mit Theorien wie dem Utilitarismus, dem Kantianismus oder der Tugendethik vertraut zu werden.

Sind die Positionen als solche formuliert, verstanden und verortet, kann die eigentliche ethische Auseinandersetzung beginnen, die ihrerseits auf Kenntnisse der Argumentationslogik und der Methoden rationaler Begründung angewiesen ist. Ethik ist in hohem Masse Argumentationskunst. Und sie ist die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen: Fragen, die Andersdenkende nicht brüskieren, sondern sich für ihre Ansichten interessieren.

Ethikexperten sind keine Besserwisser in Sachen Moral. Ethisches Expertentum zeichnet sich vielmehr durch die Fähigkeit aus, die besseren Fragen zu stellen und moralische Probleme zu erkennen, klar zu formulieren und methodisch kompetent zu analysieren.